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Ambitious 220

Ambitous about Autism 220 2021

oder besser „Ambitious about Autism 220“ stellte am 26. Juni 2021 eine der radsportlichen Herausforderungen dar, welche ich mir für Jahr Nr. 2 der Coronaseuche herausgesucht hatte.

„Ambitous about Autism“ ist eine in London beheimatete Wohltätigkeitsorganisation, welche eine höchst wertvolle Arbeit zur Unterstützung von Kindern und jungen Menschen mit Autismus leistet. Hier mit einer Radfahrt Spenden zu sammeln war mir ein großes Bedürfnis, habe ich doch im Familien- und Bekanntenkreis von Autismus betroffene Kinder.

Simon Mottram, Gründer und Geschäftsführer von „Rapha“, rief dieses Radevent ins Leben. Simon kennt die Herausforderungen des Autismus, dieser Entwicklungsstörung, und schuf die jährliche Fahrt von Manchester nach London, um die Hilfsorganisation zu unterstützen, die seinem Sohn dabei half, sein volles Potenzial zu erreichen.

Von Manchester nach London sind es 220 Meilen, also 354 km, womit auch die „220“ im Namen der Tour erklärt ist. Für den 26./27. Juni 2021 terminiert, bestand die Möglichkeit diese 220 Meilen an zwei Tagen, oder eben „ambitioniert“ an einem der beiden Tage zu fahren.

Mit der Anmeldung bekam man neben Informationsmaterial, einem Cap und einer Musette auch einen Link für die Gestaltung einer eigenen Spendenwebsite. Die Strecke darf man sich selbst zusammenstellen. Die Aktivität muss letztendlich nur noch über STRAVA hochgeladen werden, um die erfolgreiche Bewältigung zu dokumentieren. 

 

Ambitous about Autism 220 2021...pünktlich zum Start die ersten Regentropfen

Meine Planung war, die Tour an einem Tag und somit am Stück zu fahren. Nur bei Dauerregen, Juni-Schnee oder sonstigen gruseligen Wetterunbilden hätte eine 2-Tage-Version zur Debatte gestanden. Ein Rundkurs stand, nach mehreren Testfahrten im Vorfeld, ebenfalls bald fest und mit Kerstin hatte ich auch meinen Eine-Frau-Support für zwei Verpflegungsstellen ( km 190 und 309 ) gesichert. Das Training lief überraschend gut. Von der Ausdauer her also sicher kein Problem, nur über das Durchhaltevermögen meines Sitzfleisches machte ich mir ein paar Sorgen. 

Nach vielen Tagen mit recht bescheidenem Wetter zeichnete sich ab dem 26. Juni eine Schönwetterphase ab. Somit schob ich um 4.30 Uhr gutgelaunt mein Rad vor das Hoftor, nur um beim Einstellen des Navis schon erste Regentropfen auf dessen Display zu entdecken. Ach, nur ein Schauer dachte ich… und los ging es. Erster Stopp 1 km weiter! Tasche auf, Regenjacke angezogen und weiter ging es für die nächste Stunde durch einen gepflegten Landregen. Zum Glück wirken Taschen am Rad auch ein wenig als Schutzblech, das verbesserte meine Laune zwar nicht, ließ mich aber nicht gleich am frühen Morgen wie ein der Suhle entstiegenes Wildschwein aussehen. 

Ambitous about Autism 220 2021km 55 - das Wetter wird besser

Mein Kurs führte mich zunächst nach Forst an der Deutsch-Polnischen Grenze. Das Freudige daran, der Regen  hörte endlich auf! Weiter ging es, dem Neiße-Radweg folgend, bis Bad Muskau. Hier dann der Grenzübertritt nach Polen und mit dem hügligen Gelände dort  wurden dann auch die Waden etwas stärker gefordert. Ab Trzebiel, nach ca. 86 km, hatte ich Begleitung von meinem Kollegen Pawel. Die Unterhaltung mit ihm war eine willkommene Abwechslung und auch seine Ortskenntnis, in Anbetracht mehrerer Umleitungen, war von großem Vorteil. Nach 16 gemeinsamen Kilometern drehte er sein Tourenrad dann wieder Richtung Heimat. Einsam, es war auch kaum Autoverkehr vorhanden, arbeitete ich mich über ziemliche Buckelpisten bis zum Bober vor. Landschaftlich sehr reizvoll, fahrtechnisch die Handgelenke und den Hintern leiden lassend, hielt sich der Genuss in Grenzen, aber der Vorsatz dieses Stück Erde später noch einmal zu besuchen, festigte sich mit jedem Kilometer. 

Ambitious about Autism 220 2021mit Begleitung von Pawel ab km 86
Ambitious about Autism 220 2021auf dem guten "Torpedo" musste er ordentlich strampeln
Ambitous about Autism 220 2021Benzinpreise, welche einem Deutschen ungläubig dreinschauen lassen - hier 1,20 €
Ambitous about Autism 220 2021Verpflegung....

Kurz vor Krosno Odrzanskie war ich dann aber froh, es wieder mal, wenn auch nur kurz, auf glatter Straße rollen lassen zu können. Durch die Oder-Niederungen bewegte ich mich danach wieder in Richtung Grenze, hatte aber zwischendurch regelmäßig meine Freude an polnischen Straßenverhältnissen. Von Katzenköpfen der Marke Paris – Roubaix, über Schlaglochslalom und echte Gravelroads, bis zu strandartigen Sandpisten und noch warmen, frischen Asphalt war alles dabei. Damit die Systeme dabei nicht heiß liefen, gab es noch so einige Regenschauer zur Abkühlung obendrauf.

Ambitous about Autism 220 2021am Kanal Dychowski km 141
Ambitious about Autism 220 2021der Bober wird überquert, km 148
Ambitious about Autism 220 2021wieder in Germany, km 190

Nach 190 km waren meine Vorräte an Essen und Trinken aufgebraucht und direkt an der Grenzbrücke bei Coschen erwartete mich Kerstin mit einem reichhaltigen Buffet. Pause! Beine hoch! Bauch vollschlagen, Sachen tauschen, Vorräte auffüllen. Kartoffelpüree mit viel Butter kann soooooo gut schmecken. Die halbe Stunde wirkte Wunder, weckte neue Lebensgeister und tat dem geplagten Körper, der doch schon ein wenig seinen Unwillen gegenüber der Belastung äußerte, richtig gut. Aber sitzend, neben dem Fahrrad, kommt man schlecht voran! Also weiter ging es.

Ambitious about Autism 220 2021neue Verpflegung wird eingepackt

Am Horizont zeichneten sich dunkle Gewitterwolken ab, während ich bei Ratzdorf den Oder-Neiße-Zusammenfluss passierte. Die Betonplatten auf dem Oder-Radweg bewiesen mir, dass auch deutsche Wege richtig schlecht sein können. In Wellmitz war die Durchschüttelei dann endlich vorbei, dafür entluden sich die dunklen Wolken ihrer nasskalten Ladung, zum Glück ohne Blitz und Donner. Ich arbeitete mich durch, mal mehr mal weniger starken Regen, bis nach Fünfeichen vor. Dann erhörte wohl der Wettergott mein Fluchen… Dieses hörte allerdings auch nicht auf, denn der hoch gepriesene Radweg über Rießen nach Wiesenau stellte sich als die seit meiner Wehrdienstzeit 1989 unveränderte Holperpiste dar. Ein Plattfuß wäre nicht unwahrscheinlich gewesen, hätte dem Ganzen die Krone aufgesetzt. Davon blieb ich aber auf der ganzen Tour zum Glück verschont. 

Ambitious about Autism 220 2021Oder-Neiße-Mündung bei Ratzdorf
Ambitous about Autism 220 2021Oder-Spree-Kanal nahe Wiesenau, km 232

Ab Wiesenau, 230 km waren hier geschafft, konnte ich mich dann allerdings über 100 km auf angenehmen Untergrund freuen. Über Groß-Lindow und Müllrose ging es dann ins Schlaubetal. Ich kann nicht leugnen, dass mir die vielen Anstiege ein wenig zu schaffen machten. Die Sonne meinte es jetzt endlich auch richtig gut, ohne das sie unangenehm herunterbrannte.

Ambitous about Autism 220 2021...die letzte Cola muss in Schneeberg dran glauben

Ab Beeskow ging es dann durch flacheres Gelände und ich lernte mal wieder völlig neue Ortschaften nah der Heimat kennen. Kohlsdorf, Limsdorf, Schwenow, Werder…. und dann waren in Gröditsch 309 km geschafft und Kerstin wartete mit Kartoffelpüree…. Eine letzte Pause vor dem Finale! Ausruhen! Speicher füllen! Auch ein halbes Bier fand den Weg durch meine Kehle. Kein Mensch auf der Straße, alle schauten wohl Fußball-EM, Wales gegen Dänemark. Ein Junge mit Mountainbike erkundigte sich nach unserem Tun. Erzählte uns auch von seinen eigenen Radsportaktivitäten. Die Antwort zu unserem Woher und Wohin ließ ihn dann doch ein wenig ungläubig dreinschauen.

Ambitous about Autism 220 2021Verpflegung Nr. 2 in Gröditsch, km 309
Ambitious about Autism 220 2021...die Aussicht auf kühles Bier aktivierte nochmals ungeahnte Kräfte
Ambitious about Autism 220 2021was für ein Genuss

Und noch einmal ging es rauf auf den Sattel. Die Buckelpiste zwischen Neukrug und Guhlen war die letzte große Herausforderung für meinen Hintern. Der Leichhardt-Trail zwischen Goyatz und Byhleguhre hatte dagegen dann schon fast Autobahnqualität. Die letzten Kilometer waren echter Genuss, auch wenn mir nun wirklich alles weh tat. Durch das bereits offenstehende Hoftor finishte ich mein „Ambitous 220“ erfolgreich und fiel fast direkt in den von Kerstin bereit gestellten Campingsessel…. 

Ambitious about Autism 220 2021die Spree - Neiße - Bober - Runde im Überblick

Nach einigen Minuten des Sammelns bzw. des Heruntertourens schmeckte dann auch ein Bier richtig gut und auch der Appetit auf deftiges Essen kam zurück. Alle Systeme waren also schnell wieder hergestellt, nur die Nacht schlief ich, entgegen meinen Gepflogenheiten, durchweg in Bauchlage… 

14:34 Std. reine Fahrzeit war ich für die 359,75 km unterwegs. 996 hm im Aufstieg wurden dabei absolviert, in einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 24,7 km/h.

849 Radler aus 30 Ländern schlossen das „Ambitious 220“ erfolgreich ab. 192.280 Meilen wurden dabei gefahren und, was viel wichtiger ist, 114.351 £ an Spenden wurden insgesamt gesammelt! 125 £ kamen davon durch meine Spendenseite. Wenn alles wie geplant läuft, fließt auch, wie von mir gewünscht, Spendengeld nach Cottbus und nach Zuid Oost Brabant in den Niederlanden. An dieser Stelle nochmals herzlichen Dank an Alle die mich bei dieser Aktion unterstützt haben!

Ambitious about Autism 220 2021