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Meraner Höhenweg

Meraner Höhenweg - im Trailrunningschritt 

"24", das ist die Weg-Nummer des Meraner Höhenweges, einer der schönsten Höhenwege der Alpen, welcher die Texelgruppe auf 93 km umrundet und am Eisjöchl mit 2.895 m sogar knapp die 3.000 m - Marke schrammt. Die 1.000 m Höhe werden nur im Kalmtal unterschritten, demzufolge ist der ganze Weg ein hochalpines Unternehmen. Wunderbare Landschaften, in, an und über dem Vinschgau, dem Etschtal, dem Passeiertal, dem Pfossental und dem Schnalstal, ziehen den Wanderer in den Bann und für den echten Genießer bieten sich noch viele Abstecher abseits der Route an.... Wir haben Teile dieses Weges schon erwandert, den Abschnitt zwischen Giggelberg und Hochmuth können wir wahrscheinlich mit geschlossenen Augen unter die Füße nehmen. Aber auch das wildromantische Pfossental bis hin zum Eisjöchl und von dort hinunter nach Pfelders ist uns gut bekannt. Für eine komplette Runde sollten Wanderer 6 Tage veranschlagen, dabei aber beachten, dass das Eisjöchl selten vor Ende Juni überschreitbar ist.   

Meraner Höhenweg

Blick ins Zieltal, auf dem Weg zur Nasereithütte

Was sich wandern lässt, lässt sich auch im Trailrunningschritt erledigen! Seit mehreren Jahren hege ich den Traum, den Meraner Höhenweg am Stück und in voller Länge zu belaufen. Leider hatte dies bis 2018 nie geklappt. Mal war das Wetter zu schlecht, mal das Eisjöchl nicht passierbar, mal die Zeit im Familienurlaub dafür zu knapp... 2018 bot sich nun die Chance wenigsten den halben Traum zu erfüllen. Start am Obermairhof und von dort durch das Zieltal zur Nasereithütte, hier wurde die Nr. 24 erstmals gekreuzt, weiter zur Lodnerhütte und über die Johannesscharte weiter zum Eisjöchl und von diesem auf dem Höhenweg, entgegen dem Uhrzeigersinn, zurück zur Nasereithütte und hinab nach Partschins, zum Obermairhof. So der Plan!

Meraner Höhenweg

Wegelagerer im Zieltal, oberhalb der Ginglalm

Gesagt getan! Am 11. Juli um 8:48 Uhr startete ich meine kleine Runde. Das Wetter sollte gut bleiben, so dass ich die "Winterausrüstung" nicht mitbuckeln musste. Regenjacke, ein langärmliges Wechsel-Shirt, Handschuhe und genug Riegel und Babybels zu essen sollten reichen den Tag erfolgreich hinter mich zu bringen. Da es kristallklares Gebirgswasser fast überall zur Genüge gibt, reichte auch die 1-Liter-Trinkblase. Die Höhenmeter, 800 am Obermairhof, rauschten nur so an mir vorbei und an der Nasereithütte, nach gut 6 km, befand ich mich bereits auf 1.500 m. Gab es bis hierher noch die eine oder andere kurze flache Passage, erwartete mich nun auf den nächsten fast 9 km ein stetiger Aufstieg. 

Meraner Höhenweg

die Lodnerhütte liegt bereits hinter oder besser unter mir

Der Weg von Nasereit bis zur Lodnerhütte erfreut sich großer Beliebtheit. Die Lodnerhütte, auf 2.259 m, ist ein alpiner Dreh- und Angelpunkt und auf guten Wegen, wenn auch anstrengend, unschwer zu erreichen. Für Tagesausflüge ab Giggelberg, Bergstation der Texelbahn, ebenso hervorragend geeignet, wie als Stützpunkt für Touren über das Gingljoch nach Katharinaberg, über das Halsljoch zum Hochganghaus oder ins Spronser Tal, oder eben, die schwierigste Variante, über die Johannesscharte (2.854 m) ins Pfossental. Wenn der Weg bis zur Lodnerhütte steil ist, dann ist er ab dort bis zur Johannesscharte als sehr steil zu betrachten. Die hochalpine Landschaft und die unglaubliche Ruhe hier oben machen die Schinderei aber mehr als wett, auch wenn die letzten Höhenmeter zur Scharte, im lockeren Blockwerk und teils mit Ketten versichert, der Leichtfüßigkeit des Vorankommens die Grenzen aufzeigen. Wenn einem oben der Wind aus dem Pfossental ins Gesicht drückt, die Hohe Wilde (3.480 m) vom Grenzkamm herübergrüßt, ist aber alle Pein vergessen!

Meraner Höhenweg

ein Blick zurück in das obere Zieltal

Meraner Höhenweg

der Lodner (3.228 m), als markante Pyramide, vom oberen Zieltal gesehen

Meraner Höhenweg

der Lodner, auf den letzten Metern zur Johannesscharte gesehen, (vom Lodnerferner ist leider nicht mehr viel übrig geblieben

Meraner Höhenweg

der Aufstieg zur Johannesscharte ist fast geschaftt, unten im Zieltal brodeln die Wolken

Meraner Höhenweg

gut gesichert, der schmale Pfad ins Schartl

Meraner Höhenweg

unten das Pfossental und der Meraner Höhenweg, oben die Hohe Wilde und geradezu das Eisjöchl

Aufatmen! ...oder besser tief durchatmen, den Moment genießen, einen Schluck trinken, Fotos machen, Jacke anziehen (ja, hier oben pfeift es ganz gut, auch wenn unten im Vinschgau das Thermometer 35°C anzeigt) und dann an den Abstieg machen! Aber was ist das? So hatte ich mir das Runterkommen nicht vorgestellt! Der eigentliche Weg ist unter festgefrorenem Schnee verschwunden. Die Sicherungsketten schauen nur spärlich aus der eisigen weißen Masse heraus. Mit Trailrunningschuhen und Stöcken ist das jetzt eher suboptimal! Ein Eispickel wäre schon von Vorteil... Umkehren ist aber keine Option! Ich schaute nach Fußspuren von Wanderern, welche mir oberhalb der Lodnerhütte entgegen kamen, also diesen Weg im Aufstieg genommen hatten. Ich wurde bald fündig und tastete mich vorsichtig in ihren Tapsen hinunter. Eine gefühlte Ewigkeit später hatte ich die vereiste Passage gemeistert. Der Hosenboden völlig mistig, die Finger vom Festkrallen an Felsen und im Schnee eisekalt, aber ich hatte Gelände erreicht, in dem ich mich wieder warmlaufen konnte.

Meraner Höhenweg

Blick zurück, kein guter Laufuntergrund und rechts hinterm Block lauerte das Eis

Meraner Höhenweg

die markante NW-Wand der Hohen Weiße (3.278 m)

Meraner Höhenweg

...und auch die NW-Wand der Kleinen Weiße 3.059 m) ist nicht übel

Meraner Höhenweg

Vom Eisjöchel sind die Reste der Stettiner Hütte (Lawinenabgang) und die Notunterkünfte an selber Stelle zu erblicken

Knapp 200 Höhenmeter ging es jetzt wieder runter und an den Nordwestwänden von Kleiner und Hoher Weiße vorbei, dem Eisjöchl, dem höchsten Punkt meiner Tour und des gesamten Meraner Höhenwegs entgegen. An den Resten des ehemaligen Grubferners entlang führte mich der Pfad steil, teils auch mit Ketten versichert, stramm wieder hoch. Die Sonne gab genau jetzt ihr Bestes und somit waren die Strapazen wieder reiner Genuss. Vom Eisjöchl selbst bot sich dann zuerst einmal der traurige Ausblick auf die von einer Lawine zerstörte Stettiner Hütte und die hässlichen Notunterkünfte, welche bis zum Hüttenneubau Quartier bieten. Also schnell den Blick nach Westen gekehrt und hinein oder besser hinunter ins Pfossental. Nun auf dem originalen, bestens ausgebauten Meraner Höhenweg.

Meraner Höhenweg

Tiefblick nach Westen ins Pfossental

Meraner Höhenweg

Beweisfoto meiner Anwesenheit :-)

4:25 Stunden hatte ich für die 16,3 km bis hier oben gebraucht und dabei eine Höhendifferenz von über 2.000 m hinter mich gebracht. Den Passo Gelato auf diese Weise zu erreichen ist sicher kein Kindergeburtstag, dafür aber eine supercoole Sache! Von nun an gings bergab und der Weg war nicht mehr so menschenleer und ruhig wie bisher. Viele Wanderer, einige sportliche Mountainbiker und auch so manche E-Biker gönnten sich die Freuden des Pfossentals. In einigen Kehren war der Talboden schnell erreicht und bei den vielfältigen Naturgenüssen ließ leider meine Konzentration nach. Nach Gämsen Ausschau haltend stolperte ich auf dem babypoglatten breiten Fahrweg über meine eigenen Füße und ging krachend zu Boden. Zum Glück nur ein paar Schürfwunden, aber weh tat es allemal. 

Meraner Höhenweg

Rückschau zum Eisjöchl mit den finalen Serpentinen

Meraner Höhenweg

...und auch Kleine und Hohe Weiße verlieren von weiter unten nicht ihren Reiz

Meraner Höhenweg

auch der Blick vom Eishof (2.069 m) zum Passo Gelato ist schlichtweg umwerfend

Meraner Höhenweg

der Eishof

Nach gut 24 km war der Eishof erreicht. Diese malerisch gelegene Alm ist das übliche Ausflugsziel der Wanderer, die sich ab dem Vorderkaser auf den Höhenweg begeben. Angenehmer lässt sich die 2.000 m - Marke wohl auch nicht knacken, obwohl der Weg so manche Schnaufpassage in sich birgt. Ich ließ den Eishof diesmal im wahrsten Sinne des Wortes links liegen und bremste mein Vorankommen erst an der Mitterkaseralm wieder ab, um beim Matthias und seinem Opa Louis ein Bier und ein Stück Kuchen zum Auffüllen der Reserven zu genießen. Eine neue Gaumen-Erfahrung war die Brennnesseltorte für mich! So lecker, dass ich sobald als möglich wieder hier hoch muss! 

Meraner Höhenweg

die Fassade der Mitterkaseralm

Meraner Höhenweg

frischer Treibstoff und Brennnesseltorte

Lange aufhalten konnte ich mich natürlich nicht, obwohl die Bank auf der Hüttenterrasse förmlich nach einem verdauungsfördernden Sonnenbad schrie. Also schnell weg, bevor Körper und Geist schwach wurden! An der unweit gelegenen Rableidalm wurden bereits die 2.000 m Höhe passiert, eine Marke, die der Rest des zu belaufenden Meraner Höhenwegs nun nicht mehr hergab.  

Meraner Höhenweg

Mitterkaser-Alm-Idyll

Meraner Höhenweg

Wiesenbewässerung am Vorderkase

Am Vorderkaser, dem schon genannten Ausgangspunkt für die Touren ins Pfossental, konnte ich noch kurz die Hektik der Zivilisation erleben, in der Form, dass sich der große Parkplatz zu späten Nachmittagsstunde nun zu leeren begann, was für so manchen geschafften Wanderer die Nerven blank legte, besonders wenn die Ausfahrt durch eine Baustelle das Fortkommen nicht eben erleichterte. Schnell war ich hier durch und bis auf Höhe von Katharinaberg einige Kilometer wieder mutterseelenallein unterwegs. Dieses Stück des Höhenweges ist wenig begangen, was wohl am anstrengenden auf und ab sowie an den weniger spektakulären Aussichten liegt, führt der Pfad doch hier zu großen Teilen durch den Wald. 

Meraner Höhenweg

Karthaus, im Schnalstal, ist durch die Bäume zu erkennen

Meraner Höhenweg

irgendwann ist dann Schluss mit Wald und ein Tiefblick ins Schnalstal und auf die Kirche von Katharinaberg tut sich auf

35 km hatte ich auf der Uhr als ich in den Hängen oberhalb Katharinabergs unterwegs war. Kurz gerechnet... um 21.00 Uhr geht die Sonne unter, bis dahin muss ich (auch mangels mitgeführter Stirnlampe) wieder am Obermairhof sein... es ist also noch Zeit für ein Bier. Beim Gedanken daran tropft mir der Zahn. Leider haben die nächsten drei Jausenstationen alle wegen Urlaub geschlossen oder das Geschäft aufgegeben. Dann endlich, am Hofschank Wald bekomme ich den Gerstensaft und dazu ein riesiges Stück Aprikosenkuchen, weil ich so verhungert ausseh' wie die Wirtin meint. Mit vollem Bauch und bestens gelaunt ging es weiter. 

Meraner Höhenweg

Wegweiser bei Katharinaberg

Meraner Höhenweg

noch ein Tiefblick, dieses mal ins Vinschgau und auf Schloss Juval

Meraner Höhenweg

der Meraner Höhenweg am Linthof

Auf den sonnigen Hängen der südlichen Abstürze der Texelgruppe machte die Lauferei gleich doppelt so viel Spaß. Schloss Juval, Reinhold Messners Sommerdomizil, lag weit unten schon im Schatten, während mich die Abendsonne noch ordentlich durchwärmte. Ein Katzensprung nur noch bis Partschins? Denkste! Eine kleine Schweinerei, namentlich die "1000-Stufen-Schlucht" erwartete mich bald. Ob es 1.000 Stufen sind vermag ich nicht zu sagen, irgendwann hatte ich mich verzählt. Die Schinderei runter, wie auch wieder hoch, über Stufen, Leitern, Wurzeln, Gestein.... hatte es aber in sich. 

Meraner Höhenweg

landschaftlich ein Traum, so fast 1.000 m über dem Talboden

Meraner Höhenweg

die Hängebrücke in der 1.000-Stufen-Schlucht ist das Zeichen, dass man jetzt unten ist

Obwohl wirklich landschaftlich fantastisch, war ich nicht unfroh wieder aus der Schlucht heraus zu sein. Auf angenehmen Wegen ging es im Eiltempo dem Giggelberg entgegen. Die Jausenstation über der Bergstation der Texelbahn sollte eigentlich nicht ausgelassen werden, Stichwort: Himbeerroulade. Mir saß leider die Zeit im Nacken. Also nur kurz noch einen Riegel aus dem Rucksack als Brennstoff nachgeschoben und Kerstin via Handy informiert, dass ich um 21.00 Uhr zurück bin. Danach im Eiltempo zur Nasereithütte - auch hier ließ ich das Bier beim Paul aus - und vom Meraner Höhenweg hinunter, ins Tal zum Obermairhof.

Meraner Höhenweg

das Gasthaus, oder die Jausenstation Giggelberg, 1.565 m

21.01 Uhr drückte ich bei meiner Uhr auf Stopp! 7 min vor Sonnenuntergang und 12:13 Stunden nach meinem Start. 56,99 km waren vollbracht, einer schöner als der andere. Ich hätte ja gleich wieder los wollen, aber Franz hatte schon ein Bier für mich aufgemacht... Mal wieder zu sitzen ist auch nicht schlecht, dachte ich mir und so wurde es noch ein langer Abend, an dem es viel zu erzählen gab.

Meraner Höhenweg

mein Start und Ziel, der Obermairhof der Familie Franz Auer in Partschins

Die Strecke folgte vom Obermairhof aus dem Partschinser Waalweg und Weg Nr. 1 bis zum Gasthaus Birkenwald. Von hier auf Nr. 8 bis zum Eisjöchl und von dort, entgegen dem Uhrzeigersinn, immer auf dem Meraner Höhenweg entlang (Nr. 24) bis zur Nasereithütte. Dort auf Nr. 8 talwärts bis zum Gashaus Birkenwald und auf Nr. 1 und dem Waalweg zurück zum Obermairhof.
Wer dieses grandiose Stück Erde unter die Laufsohlen nehmen möchte, sollte sich im Vorfeld über die Bedingungen, also die Passierbarkeit von Eisjöchl und Johannesscharte schlau machen. Das geht am besten über die Hüttenwirte der Stettiner Hütte, der Lodnerhütte oder des Eishofs.


Kartenmaterial: Wanderkarte "Meraner Höhenweg" 1:30.000 vom "Meraner Land" (www.meranerland.com) 

Meraner Höhenweg

so hat mein Garmin die Sache gesehen - - - Polar war der Meinung, es sind 4.001 hm, aber letztendlich ist das egal, nur das Erlebnis zählt