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Ultramaraton Zielonogórski 2020
Angemeldet ist angemeldet dachte ich mir, als der Ultramaraton Zielonogórski Nowe Granice vom mit drei ITRA-Punkte garniertem 103 km-Ultratrail zum 6-Stunden-Lauf kastriert wurde. Auslöser war die afrikanische Schweinepest, welche ein Verbot jedweder Aktivitäten in den Wäldern um Zielona Góra auslöste. Einfach so abzusagen war jedoch so gar nicht im Sinne der Veranstalter und es wurde ein Kurs um und im örtlichen Speedwaystadion aus der Not heraus kreiert, der es gehörig in sich hatte. Zum Hauptlauf gesellten sich noch mehrere Kurzvarianten und für Spaß und Stimmung wurde sowieso gesorgt. Das Teilnehmerfeld war dann aber doch sehr übersichtlich, kein Vergleich zu den „vollständigen“ drei Veranstaltungen, welche ich in den Vorjahren hier bereits hinter mich brachte.

Inklusive mir, standen letztendlich 46 Einzelstarter morgens um 10.00 Uhr am Start und scharrten mit den Füßen, um im Sprühregen stoisch ihre Kreise ziehen zu dürfen. Ein Italiener und ich als Deutscher brachten dabei sogar ein wenig Internationalität in das Rennen. Dazu gingen noch vier Staffeln auf den 905 m-Kurs, von denen die Beste 103 Runden am Ende auf dem Konto hatte.

Zwei 6-Stunden-Läufe hatte ich in meiner Ultra-Historie bereits hinter mich gebracht und muss zugeben, dass dies definitiv nicht mein Format ist und ich so etwas eigentlich auch nicht mehr tun wollte. Die wildschweinbedingte Strecke um das Stadion hatte nun allerdings ein paar Reize, welche ich in den vorherigen Rennen nicht geboten bekam. Ein an sich recht verwinkelter Kurs auf verschieden Untergründen mit gepflegten 16 Höhenmetern. Einer matschig-trailigen Passage direkt nach dem Start folgte feinster Betonstein-Fußweg, bevor es auf Asphalt eine 200 m lange Rampe mit den besagten 16 Höhenmetern niederzuringen galt. Über eine bucklige Wiese gefolgt von Sand und Schotter ging es auf alten Gehwegplatten ins Stadion hinein. Hier mussten schiefe und krumme Betonplatten, durchbrochen von mehr oder weniger maroden Gitterrosten, gezielt umlaufen werden, bevor es wieder hinaus und somit in die nächste Runde ging.

Nach der vierten oder fünften Runde verlor ich langsam, aber sicher den Überblick, wer vor mir, wer hinter mir oder wer in Staffeln läuft und gab mich nur noch meinem Tempogefühl und, ein großer Vorteil solcher Rundkurse, dem regelmäßig auftauchenden Verpflegungspunkt hin. Dieser VP war toll bestückt und hätte eigentlich noch häufigere Besuche erfordert, nicht nur wegen des guten tschechischen Bieres.

Kerstin schaute sich das Renngeschehen hauptsächlich aus der VIP-Lounge an, fotografierte fleißig und munterte mich zum Ende hin natürlich auch noch mal richtig auf. Letztendlich finishte ich mit 57 Runden (eine mehr hätte ich noch geschafft – ein Bier am VP wollte ich aber unbedingt im Sitzen und in Ruhe genießen) auf Platz 26 und war damit mehr als zufrieden. Für den Sieg hätte es 25 Runden mehr bedürft! Die polnischen Piroggen schmeckten wenig später hervorragend und die Siegerehrung ging nett und flink in der Lounge über die Bühne.

Kein Rennen, dass ich in dieser Form noch mal machen muss, welches aber enorm Spaß gemacht hat. Zudem besitze ich jetzt ein Finishershirt und eine Medaille, welche beide Einmaligkeit ausstrahlen! Ein Dankeschön an die Organisatoren auch dafür! Ich denke, hoffentlich ohne Schweinepest, bin ich auch 2021 wieder dabei.


 alle Infos zum Lauf auf der Website der Veranstaltung